Kunst und Kultur in der Eisgrube

Kochen und gemeinsames Essen gehört unbedingt zum Programm: Mohamad kochte syrisch-türkische Snacks aus Hefeteig mit unterschiedlichen Füllungen, Hassan und Hussein bereiteten Falafel und Taboulé zu.
Kochen und gemeinsames Essen gehört unbedingt zum Programm: Mohamad kochte syrisch-türkische Snacks aus Hefeteig mit unterschiedlichen Füllungen, Hassan und Hussein bereiteten Falafel und Taboulé zu.

Gemeinsam essen und miteinander sprechen, musizieren und spielen – es sind die schönsten Formen von Gemeinschaft, die die Begegnungsstätte Haus.Frieden bietet. Am 18. März lud Freund statt fremd im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus zum Tag des „Offenen Hauses“. Nicht nur Geflüchtete und Ehrenamtliche, auch zahlreiche interessierte Bamberger kamen in die Eisgrube, um sich über die Arbeit von Freund statt fremd zu informieren. Dabei erfuhren sie auch von zwei außergewöhnlichen Kunstprojekten.

Kreativität ist eine Ausdrucksform. Das konnten Gäste und Mitglieder beim Tag des „Offenen Hauses“ auf vielfältige Weise erfahren: Sei es beim gemeinsamen Kochen und Essen, beim gemeinschaftlichen Spielen, Musizieren oder Tanzen. Das Programm sah auch eine Präsentation von Freund statt fremd vor, bei der der Verein sich und seine Aktivitäten vorstellte – selbstverständlich auch auf Arabisch und Persisch. So lernten auch die Geflüchteten den Verein besser kennen.

Einen besonderen Stellenwert hatten in diesem Zusammenhang die beiden aktuellen Kunstprojekte Kleiderwerkstatt und Daheim, die sich gezielt an Frauen und Kinder richten. „Die Flucht hat sie oft schwer traumatisiert. Sich in Deutschland einzuleben, gerät so zu einer besonderen Herausforderung“, erklärt Judith Siedersberger, welche im Leitungsteam beider Projekte aktiv ist. „Unser Ziel ist es, diesen Frauen und Kindern zu helfen, ihre Ängste abzubauen.“ Als Hilfsmittel soll ihnen dabei die Kunst dienen: „Kreativität ist eine Ausdrucksform ganz unabhängig von der Sprache.“ Für die Teilnehmenden ihrer Kurse sei es denn auch eine große Erleichterung, verstanden zu werden, ohne verbal kommunizieren zu müssen.

Kunst als kreativer Freiraum

Kreativität als Ausdrucksform: Die Porträts der Teilnehmerinnen am Projekt KLEIDERwerkstatt waren Teil der künstlerischen Auseinandersetzung.
Kreativität als Ausdrucksform: Die Porträts der Teilnehmerinnen am Projekt KLEIDERwerkstatt waren Teil der künstlerischen Auseinandersetzung.

„Mode hat nicht nur eine Schmuck-, sondern auch eine Schutzfunktion“, erläutert Siedersberger die Idee hinter Kleiderwerkstatt. „Geflüchtete Frauen sehnen sich nach beidem.“ In der Gruppe haben sie die Möglichkeit, mit Stoffen zu experimentieren und neue Formen zu entwickeln. „Die Teilnehmerinnen vermitteln sich nicht nur gegenseitig Textiltechniken aus ihren jeweiligen Heimatregionen. Sie kombinieren diese auch mit Schnitten, wie man sie in der westlichen Welt häufig trägt.“ Manche Frau entdeckt dabei die Künstlerin in sich: So wurden etwa Selbstporträts auf Stoffe gestickt, welche schließlich auf einen Mantel genäht wurden. Die Frauen im Alter zwischen achtzehn und sechsundzwanzig profitieren auf vielfältige Weise von dem Projekt: „Sie haben Spaß und lernen sich gegenseitig besser kennen.“ Über die Unterstützung durch das Bundesbildungsministerium für Bildung und Forschung (BMBF) freut man sich bei Freund statt Fremd sehr: „Integration durch Textilkunst – das ist doch ein besonders schöner Ansatz.“

In den sprichwörtlichen Kinderschuhen steckt das Projekt Daheim, das sich an Kinder zwischen sechs und zwölf richtet. Bislang haben drei Treffen stattgefunden, das Programm kommt bei seinen jungen Teilnehmern sehr gut an. Unter der Anleitung der Künstlerinnen lernen sie, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen – und dabei ein wenig Erholung zu finden. „Besonders das Malen und Ausschneiden macht mir Spaß“, erzählte Adam, einer der jungen Kreativen. „Ich wusste vorher gar nicht, wie man malt, weil ich nie Gelegenheit dazu hatte.“ Den Kindern soll durch künstlerische Ausdrucksformen Selbstbewusstsein vermittelt werden. „Wir setzen uns mit Themen auseinander, welche die Kinder unmittelbar bewegen“, umriss Siedersberger die Ziele des Programms. „Fragen wie Wer bin ich?, Wie können wir gemeinsam leben? und Wie kann ich mich beheimaten? können in Form von Kunstprojekten visualisiert werden.“ In dreistündigen Treffen können sie ihren Alltag hinter sich lassen: „Kreativität braucht Zeit und Ruhe.“ Ganz nebenbei lernen ihre Schützlinge Bamberg besser kennen, denn die Leiterinnen organisieren Besuche in Museen und in der Altstadt. Wichtig ist Siedersberger und Ohrndorf vor allem, den Kindern ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln. „In der Gruppe fühlen sie sich gut aufgehoben.“ Deshalb ist die Teilnehmerzahl auch begrenzt: „Leider mussten wir einige Kinder abweisen.“ Über ein zweites Projekt, welches sich gezielt an jüngere Kinder wendet, würden sich die Betreuerinnen freuen.

Am Jahresende sollen Arbeiten aus den Projekten im Rahmen zweier Ausstellungen gezeigt werden.

Kontaktperson:

Judith Siedersberger
contact@judith-siedersberger.de

 

Text: Sarah Hohmann und Katharina Stahl, Bilder: Simone Oswald

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