Unbekanntes Terrain: Wie lebt man in der AEO?

05.11.2017

Wie lebt man in der AEO? Freund statt fremd lud Interessierte und Ehrenamtliche in den Heinrichsaal. Rund 25 Interessierte kamen zur Infoveranstaltung.

Was ist eigentlich die Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO)? Wie sieht es dort aus und wer lebt dort? Freund statt fremd lud interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie ehrenamtliche Helferinnen und Helfer am Samstag, den 21.10.2017, im Rahmen der Interkulturellen Wochen der Stadt Bamberg zu einem Info-Gespräch in den Heinrichsaal.

Asylsozialberater Marcus Ziebarth, Sozialpädagogin Elke March-Bubenik und Freund-statt-fremd-Vorstandsmitglied Ute Störiko boten während des zweistündigen Gesprächs Einblicke in ihre Arbeit in der Aufnahmeeinrichtung, erzählten von ihren Eindrücken und Erfahrungen und berichteten von einigen Schicksalen der Geflüchteten.

Derzeit 1200 Geflüchtete

Ziebarth hat als Asylsozialberater auf der AEO alle Hände voll zu tun: Zum einen informiert und berät er die Geflüchteten in ihren Asylverfahren, zum anderen hilft er bei allen erdenklichen sozialen Fragen und Problemen. Zu Beginn des Gesprächs gab er einen Überblick über die aktuelle Situation: Rund 1.200 Geflüchtete leben derzeit in der AEO, darunter sowohl Personen aus der ehemaligen „besonderen Aufnahmeeinrichtung (ehem. ARE II)“ für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsstaaten als auch Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung und im sogenannten Ankunftszentrum. Die schiere Menge der Leute, von denen sich oft mehr als zehn Personen eine Wohnung teilen müssten, sowie die grundsätzliche Unterschiedlichkeit der Herkunft und der Bleibewahrscheinlichkeiten sorge permanent für angespannte Stimmung unter den Geflüchteten. Hinzu komme die Angst vor der ungewissen Zukunft, eine unerträgliche Langeweile, weil die Leute keine Arbeit und keine Aufgabe haben, sowie das Gefühl, vollkommen entmündigt zu sein und nicht einmal sein eigenes Essen kochen zu dürfen.

Großes Thema: Menschenwürde

Dieser Bewertung des Lebens auf der AEO schlossen sich die beiden Mitstreiterinnen an: March-Bubenik kümmert sich um die Berufsschülerinnen und -schüler in der AEO, sie ist auf dem Gelände unterwegs und betreut die jungen Leute, die zwischen 16 und 21 Jahre alt sind. Vor allem versucht sie, sie zur Teilnahme am Unterricht zu bewegen. Durch ihre Arbeit hat sie Einblicke in die Wohnsituation und erfährt auch viel über die Menschen im Camp, wie die Bewohner die AEO nennen. „Die Menschenwürde ist das große Thema in der AEO“, sagt sie.

Ute Störiko von Freund statt fremd berichtete von der Arbeit der Ehrenamtlichen im Café Willkommen und im Spielzimmer: Beschäftigung, Ablenkung und Gemeinschaft ist das, was die Helferinnen und Helfer den Bewohnern der AEO dort bieten können. „Die Leute haben einen Ort, zu dem sie kommen können, um einfach mal einen Kaffee zu trinken oder mit jemandem zu sprechen“, erzählt sie. Manchmal schneidet dort ein Flüchtling, der Frisör ist, den anderen die Haare. Manchmal jammen Musiker zusammen im Café. Aber das wichtigste an dem Angebot bleibt dieBegegnung.

Im Anschluss gab es Gesprächs- und Informationsmöglichkeiten.

Alle drei Akteure haben an dem Nachmittag ein ebenso detailliertes wie ambivalentes Bild vom Leben in der Aufnahmeeinrichtung gezeichnet, die die Unionsparteien neuerdings sogar als Vorbild für eine bundesweite Lösung sehen. Im sogenannten Regelwerk zur Migration von CDU und CSU heißt es: „In Deutschland werden Asylverfahren für alle neu Ankommenden in Entscheidungs- und Rückführungszentren nach dem Vorbild von Manching, Bamberg und Heidelberg gebündelt.“ Die drei Podiumsteilnehmer, die am Ende sehr intensiv mit den rund 25 Gästen der Veranstaltung diskutierten, können das nicht nachvollziehen. Die Lebensbedingungen, die sie dort täglich vorfänden, seien verurteilenswert.

Text: Monica Fröhlich / Bilder: Daniela Ofner

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