Mit “Jacke wie Hose” zur Integration

Das kleine gelbe Haus, in dem die Kleiderkammer (Jacke wie Hose genannt) momentan untergebracht ist, ist schwer zu finden. Es liegt abseits am Ende einer ungepflasterten, im Winter matschigen Einfahrt voller Schlaglöcher. Das ist die einzige Räumlichkeit, die von der Stadt für die Annahme und Ausgabe von Kleiderspenden vorübergehend zur Verfügung gestellt werden konnte. Neue Räumlichkeiten werden dringend gesucht, denn in ein paar Monaten wird der Bungalow abgerissen. Am Gartentürchen drängen sich Männer, Frauen und Kinder. Teilweise über eine Stunde vor Beginn der Spendenausgabe warten die Kleidersuchenden schon auf den Einlass.

Im Haus ist es sehr kalt, weil keine Heizung vorhanden ist, und alle Helfer tragen dicke Jacken. Insgesamt gibt es zwei Zimmer voll von Damenkleidung, eines für Herren und noch ein Kinderzimmer — mit Anziehsachen, Spielen, Büchern und Kuscheltieren. Das Herrenzimmer ist ziemlich leer: ein paar Schuhe stehen verloren im Regal, wenige Mäntel hängen an Kleiderbügeln, einige Pullis, Hosen… Hier besteht also großer Bedarf. Zur Zeit sind besonders Schuhe und Winterkleidung für schlanke, kleine Männer vonnöten, aber auch Kindersachen werden immer gebraucht.

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Wenn die Kleiderkammer dann geöffnet hat, verbreitet sich Hektik; Kleidung wird aus den Regalen herausgezogen, begutachtet, zurückgestopft oder eingepackt. Jeder darf 10 Stücke mitnehmen. Manchmal sei es äußerst chaotisch, weil der Ansturm so groß ist, sagt mir eine junge, albanische Helferin. Sie ist eine der zahlreichen fleißigen Asylbewerber, die die Helfer in der Kleiderkammer regelmäßig unterstützen.

Unter ihnen auch ein armenischer Helfer. Er erzählt, dass er schon Opa ist. Daraufhin grinst er schelmisch. Sein Deutsch sei leider nicht so gut, die Verständigung funktioniert trotzdem. Aber seine Frau könne besser Deutsch sprechen. Seit fünf Jahren sind sie in Deutschland und bewohnen in Bamberg eine Zweizimmerwohnung. Normalerweise arbeite er auf einer Baustelle, aber da die Bauarbeiten gerade beendet seien, hilft er hier. Schließlich wolle er etwas zu tun haben. Er räumt auf, macht sauber, nimmt Kleidung an und verstaut sie.

An einem anderen Tag ist Spendenannahme. Auch hier findet man viele helfende Hände von Flüchtlingen. Diesmal sind es mehrere Frauen, die die angenommenen Kisten auspacken, sowie die mitunter sehr schöne Kleidung sortieren. Eine Helferin lächelt mich an. Sie kommt immer zur Spendenannahme. Sie erklärt mir, wie sortiert werde, dass die Sommersachen beispielsweise in den kleinen Schuppen im hinteren Teil des Gartens kämen. Sie sei gerne hier in der Kleiderkammer. Es ist viel besser, als zuhause nur herumzusitzen. Sie will doch etwas tun. Und so füllt Sie die Regale für den nächsten Ansturm.

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Das Herrenzimmer, das sich nach einem Spendenaufruf bis zur nächsten Ausgabe gefüllt hat

Judith KleißJwH - Kinderzimmer-1