Dokufilm „Willkommen auf Deutsch“ verdeutlicht Bügerangst vor Unbekanntem

IMG-20160316-WA0008[1]Am 16. März stellten das Agenda 21 Kino, Freund statt fremd e. V. und die CAJ Bamberg den Dokumentarfilm „Willkommen auf Deutsch“ im Bamberger Lichtspiel vor. Der Andrang war so groß, dass zusätzliche Stühle hereingetragen werden mussten, damit alle Gäste des Lichtspiels einen Sitzplatz für die Vorstellung des Films von Carsten Rau und Hauke Wendler ergattern konnten.

 Über einen Zeitraum von fast einem Jahr begleitete das Filmteam die Verwaltung des Landkreises Harburg, verschiedene Anwohner und dort ankommende Flüchtlinge. „Willkommen auf Deutsch“ zeigt, dass eine Vielzahl subjektiver Gefühle und Meinungen bei der Flüchtlingsthematik zu berücksichtigen sind.

Begleitet wird u. a. eine Bürgerinitiative, die sich gegen die Unterbringung von ihrer Meinung nach zu vielen Asylbewerbern in der kleinen Gemeinde wehrt. Es werden die mit den wachsenden Flüchtlingszahlen verbundenen Sorgen und Vorurteile der eingesessenen Bürger aufgezeigt. Die Ablehnung der Bürger verstärkt die Probleme des Landkreises, der versucht, die ankommenden Asylbewerber irgendwie unterzubringen. Außerdem sprechen Asylbewerber über ihre Ängste vor einer möglichen Abschiebung und von der Ablehnung der Mitmenschen, mit der sie lernen müssen, umzugehen. Der Film gewährt allerdings auch Lichtblicke, indem er von der ehrenamtlichen Hilfe von Freiwilligen und der damit verbundenen Dankbarkeit und den Fortschritten der Asylbewerber berichtet.

Nicht nur die Sorgen und Ängste der Flüchtlinge machen betroffen, auch die latent rassistischen Aussagen der Bürger, mit denen der Film gespickt ist, lösen beim Zuschauer unangenehme Gefühle aus. Die Kinobesucher verfolgten den Film aufmerksam und einige Male ging bei Bemerkungen der Protagonisten ein Raunen durch den Saal, wie beispielsweise als der Bürgermeister erklärt, dass es ja auch durchaus nicht immer Vorbehalte gegen Flüchtlinge gäbe, beispielsweise, wenn sie “…, oder in meinem Garten arbeiten”. Schockiert waren auch hörbar viele bei der Aussage: „Da kommen dann so junge schwarze Männer, die man gar nicht sieht, wenn sie nachts um die Ecke kommen, …“.

Für die anschließende Disskussion standen mit Ricardo Schreck, einem sozialpädagogischen Betreuer an der Berufsschule, Wolfgang Metzner, dem dritten Bürgermeister der Stadt Bamberg, der eine Patenschaft für einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling übernommen und im vergangenen Jahr ehrenamtlich Deutschunterricht gegeben hat, Miriam, die ehrenamtlich Sprachkurse für AWO/Freund statt fremd gibt, sowie Beate, die bei Freund statt fremd hauptsächlich im organisatorischen Bereich des Arbeitskreises Schule tätig ist, Menschen zur Verfügung, die sich beruflich und/oder ehrenamtlich in unterschiedlichen Bereichen der Flüchtlingshilfe engagieren.

Es wurden die Aspekte des Filmes aufgegriffen und alle Aktiven betonten, dass der einfachste Weg, Vorurteile und Ängste zu überwinden, der Beginn eines Dialogs ist. Sobald ein Mensch nicht mehr fremd ist, entstehen tolle, herzliche Kontakte. Dies ist beispielsweise durch den Besuch des Café Grenzenlos, das jeden ersten Sonntag im Monat im Heinrichsaal stattfindet, auf zwanglose Art und Weise möglich. Auf die Frage nach den Highlights in der Zusammenarbeit mit Flüchtlingen, nannten die Diskussionsteilnehmer die Herzlichkeit und Dankbarkeit der Schützlinge, sowie Erfolge, wie die Anerkennung eines Asylantrags oder das Finden einer Wohnung.

Die Diskussion endete mit einem Appell, denn sowohl für die Nachhilfe in Deutsch und Mathe in der Berufsschule als auch für diverse Deutschkurse werden noch Freiwillige gesucht, die sich gerne engagieren möchten. Wir von Freund statt fremd möchten ebenfalls alle Interessierten dazu ermutigen Kontakt zu unseren neuen Mitbürgern aufzunehmen, sei es durch zwanglose Freizeitaktivitäten, eine Patenschaft oder Nachhilfe. Nur so können Vorurteile überwunden und die Integration gemeistert werden – und die Erfahrung zeigt: es lohnt sich!

Angela Dzida und Simone Oswald