Ehrenamtliche Integrationsarbeit kann Radikalisierung vorbeugen / PM vom 25.8.2016

Die extremistischen Übergriffe in diesem Sommer haben uns alle tief erschüttert. Betroffen macht uns als Verein, der sich ehrenamtlich um geflohene Menschen in Bamberg kümmert, auch, dass es sich bei den Tätern um junge, teilweise minderjährige Personen mit Migrationshintergrund handelt.

Hinweise von Ehrenamtlichen helfen bei Prävention

Im Prozess der Früherkennung möglicher extremistisch motivierter Gefahren können ehrenamtliche Helfer wichtige Mittler sein. Das bestätigen auch die Medien und Behörden. Der Bayerische Rundfunk weist darauf hin, wie wichtig ehrenamtliche Helfer und Asylbewerber, die sich selbst in diesem Feld engagieren, sind, um überhaupt von möglichen Gefährdern zu erfahren. Deshalb stellt die Kommunikation zwischen Hilfsorganisationen und den Sicherheitsbehörden ein zentrales Element in der Prävention dar. Dieser Meinung ist auch der Verfassungsschutz. Um Vorkommnisse wie in Würzburg oder Ansbach zu vermeiden, ist er auf Hinweise aus der Bevölkerung, aber auch auf Informationen aus den Flüchtlingsunterkünften, die von den dort einquartierten Menschen sowie von Fachpersonal und ehrenamtlichen Mitarbeitern stammen, angewiesen.

Migration ist keine neue Herausforderung. Aber noch nie kamen so viele Menschen gerade aus den unterschiedlichsten Ländern nach Europa wie in den letzten Monaten und Jahren des neuen Jahrtausends. Die Gründe dafür liegen in ihren Heimatländern: Krieg, Not und Hunger.

Freund statt fremd e. V. kümmert sich um diese Menschen in Not. Der Verein hilft den Geflüchteten und Vertriebenen, die in Bamberg ankommen, dabei, sich hier zurechtzufinden, den Alltag zu organisieren, Sprachbarrieren abzubauen und europäische Werte und Kultur kennenzulernen. So unterstützen die ehrenamtlichen Helfer des Vereins die Integration ganz praktisch. Sie treten den Menschen wertschätzend gegenüber, schaffen eine gute Atmosphäre und zeigen Perspektiven auf, die nicht diskriminieren, ausgrenzen oder verzweifeln lassen. Ihr Beitrag ist doppelt wichtig: Sie unterstützen und beschleunigen den Integrationsprozess und helfen zugleich dabei, eine mögliche spätere Radikalisierung zu verhindern.

Zu wenig Fachpersonal

Fakt ist: Es gibt noch immer zu wenig spezialisiertes Fachpersonal mit adäquaten Sprachkenntnissen. Gerade deshalb ist der Einsatz von Ehrenamtlichen von unschätzbarem Wert. Die Helfer vor Ort nehmen sich Zeit, unterstützen, hören zu und haben Einblick in die Lebenssituation der oftmals traumatisierten Menschen in den Unterkünften. Sie sehen, ob sich Gruppen bilden und wo sich eventuell Einzelgänger auffällig verhalten. Sie erfahren von den Problemen, Ängsten und Sorgen.

Freund statt fremd will verhindern, dass es aufgrund von Ausgrenzung und sozialer Benachteiligung zur Entstehung von Parallelgesellschaften kommt. Wer in unserer Gesellschaft keine Zukunftsperspektive sieht, gerät leichter in die Fänge von religiösen und/oder politisch extremistischen Gruppen mit vermeintlich sinnstiftenden Alternativen. Wer sich angenommen und akzeptiert fühlt, hat keinen Grund, sich zu radikalisieren.

Es wird immer einzelne irregeleitete radikale Menschen geben (auf beiden Seiten). Wir tolerieren keinerlei derartigen Tendenzen und vertrauen auf unseren Rechtsstaat. Wir warnen davor, alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen. Der größte Teil von ihnen ist selbst vor der Gewalt radikaler Gruppen geflohen. Sie zu beschuldigen und auszugrenzen, spielt Extremisten in die Karten.