AEO: Soziale Betreuung ist das Wichtigste – Drei-Punkte-Plan von Freund statt fremd

Freund statt fremd zu Besuch in der AEO.
Freund statt fremd zu Besuch in der AEO.

Die neue Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) in Bamberg stellt auch alle Helfer vor eine grundlegend neue Herausforderung. Im „Aufnahmezentrum“ bündelt die Regierung seit dem 18.07.2016 in Bamberg alle Ressourcen. Die Einrichtung verfügt aktuell über eine Kapazität von 1.430 Personen und soll nach dem Ausbau für eine Anzahl von 4.500 Menschen ausgelegt sein.

Markus Oesterlein, Leiter der Einrichtung, informiert über die Pläne der Regierung von Oberfranken
Markus Oesterlein, Leiter der Einrichtung, informiert über die Pläne der Regierung von Oberfranken.

Die bisherige Aufnahme- und Rückführungseinrichtung wird nun auch als klassische Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber genutzt. Sie beherbergt nun also drei ganz unterschiedliche Gruppen von Menschen: zusätzlich zu denen, die schnellstmöglich ausgewiesen werden sollen, solche, die zur Weiterverteilung nur kurz vor Ort bleiben, sowie jene, deren Verfahren aufgrund einer hohen Bleibewahrscheinlichkeit direkt in der AEO abgearbeitet werden sollen.

Laut Zahlen der Regierung von Oberfranken (Stand 06.10.16 / Die jeweils aktuellen Zahlen der Regierung finden Sie hier) sind aktuell insgesamt 526 Personen hier untergebracht. 256 Personen davon sind Teil der besonderen Aufnahmeeinrichtung, d. h. Menschen aus den Westbalkan-Ländern, und 267 Personen sind Teil der regulären Aufnahmeeinrichtung, d. h. Menschen aus Staaten wie beispielsweise Syrien, Irak, Afghanistan oder Eritrea, deren Bleibewahrscheinlichkeit höher ist. Die Anzahl ist stetig steigend und abhängig von der Anzahl an Geflohenen, die neu nach Deutschland kommen. Dies waren in den letzten beiden Monaten jeweils ungefähr 100 Personen.

In Zukunft können Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit vor Ort registriert werden.
In Zukunft können Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit vor Ort registriert werden.

Angesichts dieser Fakten wird deutlich, dass u. a. aufgrund der unterschiedlichen Bleibewahrscheinlichkeiten und der damit verbundenen Vielzahl an neuen Aufgaben auch eine Reorganisation der Helferstrukturen erforderlich ist, um die Aufgaben in der Flüchtlingsarbeit zukünftig zu bewältigen.

Der Verein hat in Zusammenarbeit mit dem Ombudsteam bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass die Situation der Menschen, die dort untergebracht sind, schwierig ist. Für genauere Infos steht unser Faktencheck bereit. Vor dem Hintergrund dieser Lebensbedingungen fordern Freund statt fremd und das Ombudsteam seit langem eine Verbesserung in einigen Punkten. Die Regierung von Oberfranken informierte im Rahmen einer Besichtigung von Freund statt fremd am 30. August über verschiedene Maßnahmen, die in der AEO nun umgesetzt wurden oder werden sollen, um die Situation der geflüchteten Menschen zu verbessern.

Drei-Punkte-Plan

Aus Fsf-Sicht ist die Organisation und Durchführung einer adäquaten sozialen Betreuung das Wichtigste. Ankommende sind häufig völlig desorientiert und teilweise traumatisiert. Ihnen muss schnell geholfen werden.

Um eine schnelle und zügige Hilfe für die neue AEO zu organisieren, sind nach Auffassung von Freund statt fremd drei Schritte erforderlich, die der Verein angehen möchte:

  1. Schaffung einer Infrastruktur
  2. Aufbau der Betreuung
  3. Helferakquise

Schritt 1 – Infrastruktur:

Das Spielzimmer: Freund statt fremd möchte häufigere und längere Öffnungszeiten anbieten.
Das Spielzimmer: Freund statt fremd möchte häufigere und längere Öffnungszeiten anbieten.
  • Wir wollen Begegnungsräume schaffen, damit ein Kontakt zwischen Flüchtlingen und Ehrenamtlichen möglich ist. Dies ist im Rahmen eines Cafés geplant, in dem man zum Beispiel spielen und sich unterhalten kann.
  • Das Spielzimmer, das Fsf betreibt, soll regelmäßiger und länger öffnen.
  • Es sollen gemeinschaftliche Sportangebote geschaffen werden.
  • Weiterhin sollen für die Menschen, die neu ankommen, regelmäßige Module zum Deutsch-Lernen angeboten werden, um Kommunikation zu ermöglichen.

Schritt 2 – Aufbau der Betreuung:

  • Geplant ist der Aufbau einer Gruppe, die Flüchtlinge auf die Anhörung vorbereitet und gesundheitliche Probleme feststellt, um diese sofort in das BAMF-Verfahren einzubringen.
  • Weiterhin soll es ermöglicht werden, dass Asylbewerber auf Wunsch durch einen Helfer als „Beistand“ zur Anhörung begleitet zu werden.
  • Auch eine ehrenamtliche Erst-Information und allgemeine Beratung mit Blick auf den vom Bayerischen Flüchtlingsrat geplanten Info-Bus ist nötig. Hier können auch beispielsweise bestimmte Fälle gefiltert werden, in denen es eines Anwalts bedarf.

Schritt 3 – Helferakquise:

  • Da viele Aufgaben zu bewältigen sind, die sowohl für die Geflüchteten, als auch für den Verein sehr wichtig sind, werden dringend Helfer benötigt, die sich in der AEO einbringen.
  • Auch Helfer mit entsprechenden Fremdsprachenkenntnissen, beispielsweise auch aus dem Kreis der bereits in Bamberg lebenden Flüchtlinge, werden gesucht.

Kontaktmöglichkeiten für Interessierte

Interessierte können sich an die Ehrenamtskoordinatorin des Vereins unter ehrenamt@freundstattfremd.de wenden. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich im Rahmen unserer Mitmachbörse am 12.11.2016, 11–14 Uhr, im Heinrichsaal, Kleberstraße 28, 96047 Bamberg über die Arbeit des Vereins und die Aufgaben der einzelnen Arbeitskreise zu informieren.