„Streitet euch!“ – Vom richtigen Umgang mit Stammtischparolen

Max Barnewitz leitete den „Streitet euch!“-Workshop
Max Barnewitz leitete den „Streitet euch!“-Workshop

Wer sich in der Arbeit mit Geflüchteten engagiert, sieht sich allzu häufig verbalen Angriffen ausgesetzt. Wie man dabei nicht die Kontrolle über die Situation verliert, sondern weiterhin überzeugend argumentiert, hat Max Barnewitz vom „Netzwerk Politische Bildung Bayern“ den Teilnehmer*innen des „Streitet euch!“-Workshops im Rahmen des Freund statt Fremd- Sommerprogramms nähergebracht.

„Die bekommen doch alles!“, „Kulturell sind die einfach anders.“, „Und wir sind wieder die Dummen, die alles bezahlen.“ Die Aufgabe, verbreitete Stammtischparolen zu benennen, stellte für die Teilnehmer*innen des „Streitet euch!“-Workshops keine große Herausforderung dar. Begegnen ihnen diese und ähnliche Argumente nicht zuletzt in ihrer Arbeit in Vereinen und politischen Organisationen doch immer wieder. Dabei erleben sie die Diskussionen, die auf eine solche Äußerung folgen, häufig als frustrierend. „Man kommt einfach nicht weiter, die Positionen sind einfach zu verschieden“, erklärt ein Teilnehmer. „Dabei muss man aufpassen, nicht selbst beleidigend zu werden.“ Eine Einschätzung, die Barnewitz auch in Bezug auf den gesamtgesellschaftlichen Diskurs teilt: „Wir leben in sozialen Echokammern, der Konsens ist in Gefahr.“ Umso wichtiger sei es daher, wieder miteinander zu reden – allerdings nicht mit dem Ziel, Konflikte zu verhindern, sondern vielmehr, diese anders zu gestalten. „Ohne Konflikte wird Politik unmöglich.“

Der junge Mann, der gerade seinen Master in Sozialwissenschaften macht, engagiert sich seit 2017 im „Netzwerk Politische Bildung Bayern“ und leitet Workshops zum demokratischen Dialog im ganzen Freistaat. Nach seiner Erfahrung lautet die wichtigste Grundbedingung zur Überwindung festgefahrener Gesprächssituationen: Die Bereitschaft zur Emanzipation vom „Die-Wir-Denken“. Das fängt schon im Dialog zwischen Bürger*innen und Politiker*innen an, wie die Teilnehmer*innen des Workshops in der gemeinsamen Diskussion herausstellen: Wer das jeweilige Gegenüber pauschal als korrupt oder desinteressiert verurteilt, verhindert politischen Dialog und erschüttert das demokratische System. Wie Barnewitz herausstellt, ist es vielmehr wichtig, nach den Ursachen des gegenseitigen Misstrauens zu fragen und Sensibilität für die Wechselwirkungen im nicht enden wollenden Strudel der gegenseitigen Vorwürfe zu entwickeln. Statt auf Vorwürfe sogleich mit Gegenangriffen zu reagieren, sollten die jeweiligen Ziele und Strategien der Gesprächspartner geklärt und klare Wünsche an das Gegenüber geäußert werden, sollte ein Konsens nicht in Sicht sein. „Wichtig dabei ist, zwar die eigenen Emotionen zu kommunizieren, aber gleichzeitig auf die Wahrung einer ruhigen Gesprächsatmosphäre zu achten“, so Barnewitz‘ Rat an die Teilnehmer*innen. Diese nahmen aus dem Workshop viele spannende Anregungen mit – und äußerten ihre Neugierde, wie deren Umsetzung im Alltag aussehen wird.

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