Antworten auf häufig gestellte Fragen

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die wichtigsten Antworten zu Fragen aus den Themenbereichen Asyl und Integration bereit!

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1. Wer ist ein “Flüchtling”?

Eine geflüchtete Person ist jede einzelne Person, die sich außerhalb ihres Heimatstaates aufhält, da ihr dort Verfolgung droht. Anerkennungsgründe nach der Genfer Flüchtlingskonvention und dem europäischen Flüchtlingsrecht sind:
  • Bürgerkrieg
  • gravierende Menschenrechtsverletzungen
  • begründete Furcht vor Verfolgung wegen:
    • Rassendiskriminierung
    • Religion
    • Nationalität
    • politischer Überzeugung
    • Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
Kein Asylgrund sind dagegen Armut, Hunger oder Umweltkatastrophen.
Diese Definition gilt für die gesamte Europäische Union aufgrund der sogenannten “Qualifikationsrichtlinie”, sodass niemand abgeschoben werden darf, wenn diese Voraussetzungen vorliegen. Die Eigenschaft als “Flüchtling” ist also eine Möglichkeit, einen Aufenthaltstitel zum Beispiel in Deutschland zu bekommen. Aber nicht die einzige. (Quelle: tagesschau.de / Diakonie Deutschland)

2. Wer ist ein “Asylbewerber”?

Das deutsche Grundgesetz kennt den Begriff “Flüchtling” nicht, sondern verwendet den Begriff “Asyl”. “Politisch Verfolgte genießen Asylrecht”, heißt es in Artikel 16a Grundgesetz. Damit ist nur staatliche Verfolgung gemeint. Menschen, die von anderen Gruppen verfolgt werden, fallen nicht darunter. In der Praxis ist ein “Asylberechtigter” nach dem Grundgesetz fast immer auch ein “Flüchtling” nach der Genfer Flüchtlingskonvention. Andersherum muss das nicht so sein. In der Praxis spielt die Anerkennung als “Flüchtling” eine größere Rolle als der Status des “Asylberechtigten”. Armut allein reicht nicht aus für den Status eines “Flüchtlings” oder “Asylberechtigten”. Die Folgen der beiden Arten von Anerkennung sind aber gleich. “Flüchtlinge” und “Asylberechtigte” erhalten ein Aufenthaltsrecht für drei Jahre. Schon während des Verfahrens erhalten die Bewerber Sach- und Geldleistungen zur Existenzsicherung. (Quelle: tagesschau.de)

4. Kann Deutschland so viele Asylsuchende aufnehmen?

Bereits in den 1990-er Jahren gab es ähnlich viele Asylanträge wie in den letzten Jahren. Deutschland als die viertstärkste Wirtschaftsmacht der Welt ist dazu in der Lage. Langfristig sind für die Aufnahme und Integration von Geflüchteten allerdings erheblich mehr finanzielle Mittel notwendig. (Quelle: Diakonie Deutschland)

5. Wie werden Geflüchtete in Deutschland verteilt?

In Deutschland werden Geflüchtete nach dem “Königsteiner Schlüssel” auf die Bundesländer verteilt. Anhand von Bevölkerungszahlen und Wirtschaftskraft werden Quoten festgelegt, welches Bundesland wie viele Flüchtlinge aufnehmen soll. So entfallen auf Bayern 15 Prozent der Flüchtlinge, auf Nordrhein-Westfalen 21 Prozent und auf den Stadtstaat Hamburg 2,5 Prozent. (Quelle: tagesschau.de / BAMF)

6. Müssen jetzt nicht erst einmal andere Länder mehr Geflüchtete aufnehmen?

Weltweit sind mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter 30 Millionen Kinder. Fast 90% suchen Schutz im eigenen Land oder in Nachbarländern. Im Verhältnis zur Bevölkerung leben derzeit die meisten Flüchtlinge im Libanon, wo jeder vierte Einwohner eine geflüchtete Person ist. In Deutschland befinden sich nicht einmal 1% der Geflüchteten weltweit. (Quelle: Diakonie Deutschland)

7. Gibt es nicht viele Fälle von Missbrauch des Asylrechts?

Geflüchtete Menschen aus Syrien werden zu fast 100% anerkannt, geflüchtete Menschen aus Afghanistan, Iran, Somalia, Irak und Eritrea zwischen 68% und 98%.

Für Menschen aus dem Westbalkan gibt es keine andere legale Einreisemöglichkeit nach Deutschland, als hier Asyl zu beantragen. Während ihnen in Deutschland regelmäßig kein Schutz zugesprochen wird, ist dies in anderen EU-Ländern anders, beispielsweise in Italien, Frankreich oder Dänemark.

Nach europäischem Recht wird Flüchtlingsschutz auch gewährt, wenn mehrere Menschenrechtsverletzungen zusammen einer schwerwiegenden Menschenrechtsverletzung gleich kommen (Art. 9 der Qualifikationsrichtlinie). So haben Schutzsuchende aus den Staaten des Westbalkans sehr wohl Verfolgungsgründe, können diese aber oft nicht ausreichend nachweisen. (Quelle: Diakonie Deutschland)

8. Werden die Sozialsysteme zu sehr belastet?

Deutschland profitiert von Einwanderung: Menschen ohne deutschen Pass zahlen jedes Jahr rund 22 Mrd. Euro mehr Sozialabgaben und Steuern als sie in Form von Sozialleistungen zurückbekommen. Viele Asylsuchende von gestern sind heute keine Bedürftigen mehr, sondern stärken als Erwerbstätige das Gemeinwesen. (Quelle: Diakonie Deutschland)

9. Sind die Sozialleistungen für Asylsuchende zu hoch?

Asylsuchende erhalten das Existenzminimum, wie es das Bundesverfassungsgericht für alle Menschen in Deutschland vorsieht. Tatsächlich erhalten sie allerdings weniger als deutsche Sozialleistungsempfänger, zum Beispiel nur eine eingeschränkte Versorgung bei Schmerzen und akuten Krankheiten. Auch dürfen sie ihren Wohnsitz zunächst nicht frei wählen und müssen in Massenunterkünften leben. Arbeiten dürfen sie erst nach drei Monaten.

Das so genannte Taschengeld für Asylsuchende in Höhe von 4,60 Euro am Tag aus Abschreckungsgründen zu kürzen, wäre grundgesetzwidrig. Wenn jemand in seiner Heimat keine Lebensperspektive hat oder um sein Leben fürchtet, wird ihn eine Taschengeldkürzung in Deutschland nicht von einer Flucht abhalten. (Quelle: Diakonie Deutschland)

10. Kann man die Leistungen für Asylbewerber kürzen?

Das Bundesverfassungsgericht hat 2012 entschieden, dass alle Menschen in Deutschland Anspruch auf ein menschenwürdiges Existenzminimum haben. Das gilt also für alle Deutschen und alle Menschen anderer Staaten, die hier leben. Hartz IV-Leistungen sichern ebenfalls das Existenzminimum, deshalb müssen die Leistungen an Asylbewerber und Geflüchtete ähnlich hoch sein. Die Leistungen für Geflüchtete dürfen nur dann niedriger sein, wenn nachgewiesen ist, dass der Bedarf für Unterkunft, Essen, Kleidung, Körperpflege, Gesundheit und Sozialleben niedriger ist. (Quelle: tagesschau.de)

11. Können Sachleistungen statt Geldleistungen an Asylbewerber ausgegeben werden?

Das Asylbewerberleistungsgesetz sieht vor, dass Geflüchtete in staatlichen Aufnahmeeinrichtungen Sachleistungen erhalten. Nur das persönliche Taschengeld soll bar ausgegeben werden. Denn damit soll jede geflüchtete Person selbst entscheiden können, was außer Essen, Kleidung und Wohnung noch zum Leben dazu gehört. Auch das zähle zum Existenzminimum, sagt das Bundesverfassungsgericht. Das Taschengeld kann also nicht so einfach auf Sachleistungen umgestellt werden. In der Praxis bedeuten Sachleistungen zudem einen größeren Aufwand für die Behörden. Sie müssen Essen, Kleidung und anderes kaufen und verteilen. (Quelle: tagesschau.de)

12. Verschlimmert Zuwanderung die Wohnungsknappheit?

In den Ballungsräumen gibt es nicht genug günstige Wohnungen, auch nicht für Einheimische. Geflüchtete kommen zunächst in Erstaufnahmeeinrichtungen und Übergangsunterkünften unter. Aber sie brauchen möglichst schnell eigenen Wohnraum. Dort, wo die Bevölkerung wächst, bedarf es eines breit angelegten Programms für sozialen Wohnungsbau, das günstigen Wohnraum für alle schafft. (Quelle: Diakonie Deutschland)

13. Brauchen wir ein Einwanderungsgesetz?

Ein neues Einwanderungsgesetz könnte Regelungen für eine legale Einreise nach Deutschland zur Arbeitsaufnahme schaffen und deutlich machen, dass es sich als Einwanderungsland versteht. Regelungen zur Arbeitsmigration dürfen aber nicht als Instrument oder Ersatz in der Flüchtlingspolitik missbraucht werden. Deutschland muss sich offen für Schutzsuchende aus aller Welt zeigen. Viele Geflüchtete bleiben auf Dauer in Deutschland. Es ist wichtig, sie schnell dabei zu unterstützen, Deutsch zu lernen, Arbeit zu finden und sich heimisch zu fühlen. (Quelle: Diakonie Deutschland)

14. Ist durch die Zuwanderung von Muslimen eine islamische „Überfremdung“ zu befürchten?

Nur fünf Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind Muslime, die Hälfte hat die deutsche Staatsangehörigkeit. Viele leben bereits seit Jahrzehnten hier. Dort, wo viele Muslime leben, ist die Angst vor dem Islam am geringsten. Unter den Geflüchteten sind aktuell etwa zwei Drittel Muslime, viele Zuwandernde sind Christen. Die religiöse Vielfalt bereichert unsere Gesellschaft. (Quelle: Diakonie Deutschland)

15. Wächst durch Geflüchtete die Gefahr islamistischen Terrors in Deutschland?

Viele Geflüchtete sind Muslime, die auch vor dem islamistischen Terror und Vertreibungen in ihrer Heimat geflohen sind. Unterstützer von terroristischen Aktivitäten werden in Deutschland durch den Verfassungsschutz beobachtet und gegebenenfalls ausgewiesen und abgeschoben. Die steigende Zahl rassistisch und rechtsextremistisch motivierter Anschläge und Drohungen stellt eine größere Gefährdung der Sicherheit in Deutschland dar. Eine migrationspolitische Abschottung Deutschlands oder Europas aus Angst vor dem Eindringen von Islamisten ist angesichts der Erfordernisse von Wirtschaft und Handel wie auch aus humanitären Erwägungen nicht möglich. (Quelle: Diakonie Deutschland)

Sehen Sie auch: Die Flüchtlingskrise in sechs Minuten – sechsminütiges Video auf Zeit Online:

http://blog.zeit.de/teilchen/2015/09/24/die-fluechtlingskrise-in-sechs-minuten/

16. Was bedeutet der Begriff „Halāl“?

Halal ist ein arabisches Wort und kann mit „erlaubt“ und „zulässig“ übersetzt werden. Es bezeichnet alle Dinge und Handlungen, die nach islamischem Recht erlaubt oder zulässig sind. Darunter fällt auch alles, was gegessen und getrunken werden darf. Ähnlich wie beim koscheren Fleisch im Judentum, dürfen im Islam nur Tiere gegessen werden, die für den Konsum zulässig sind, regelgerecht geschlachtet wurden und nicht bereits verendet waren. Mehr Infos hier: http://www.bzfe.de/inhalt/halal-491.html

17. Wozu gibt es eine Initiative wie „Freund statt fremd“, wo doch der Staat dafür zuständig ist, die Asylsuchenden zu versorgen?

Der Staat spricht zwar diesbezüglich von einer Willkommenskultur, doch ist hier eher eine Abschreckungspolitik zu beobachten. Asylsuchende sind durch ihre Unterbringung, das Arbeitsverbot und oft auch durch ihre Unkenntnis von deutscher Sprache und Kultur isoliert und bei Problemen wie Arztbesuchen, Behördengängen, Schulanmeldungen und Hausaufgabenüberwachung oft hilflos. Initiativen, die diesen Menschen helfen, gibt es in vielen Städten, wir in Bamberg sind eine davon (siehe ANDERE STÄDTE UND LANDKREISE).

18. Wie kann ich bei Freund statt fremd mithelfen?

Über Möglichkeiten des Engagements und der Mitarbeit informieren wir in der Rubrik “Arbeitskreise”:

Arbeitskreise

19. Wohin kann ich mich wenden, wenn ich ehrenamtlich Deutsch unterrichten möchte?

Der Arbeitskreis “Bildung” sucht Deutschlehrer, Lehramtsstudenten und Menschen, die sich in der Lage fühlen, Deutsch zu unterrichten und die helfen und unterstützen wollen. Der Deutschunterricht richtet sich an Erwachsene und Kinder.

http://freundstattfremd.de/arbeitskreis-bildung/

23. Darf ich Geflüchtete in einer privaten Wohnung aufnehmen?

Asylsuchende müssen während des Registrierungsverfahrens in der Erstaufnahmeeinrichtung bleiben und dürfen (in der Regel) erst nach einem erfolgreich gestellten Asylantrag aus der Sammelunterkunft ausziehen. Wenn Sie eine geflüchtete Person bei sich aufnehmen möchten, braucht der- oder diejenige die behördliche Erlaubnis, an Ihrem Wohnort wohnen zu dürfen und privat unterzukommen, inklusive der entsprechenden Bescheinigungen. Sofern Sie den Wohnraum nicht kostenlos anbieten können, muss die Finanzierung mit dem örtlichen Sozialamt geklärt werden. In der Regel übernimmt es die Miete und Heizkosten bis zu einer bestimmten Höhe. (Quelle: stern.de)

Ausführliche Informationen dazu hat u.a. die Organisation Pro Asyl zusammengestellt: https://www.proasyl.de/material/fluechtlinge-privat-aufnehmen-wie-geht-das/

24. Wie kann ich einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling (UMF) aufnehmen?

Bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen grundsätzlich die zuständigen Jugendämter informieren. Sie können in so einem Fall auch Kontakt mit uns aufnehmen, wir leiten Sie dann an entsprechende Stellen weiter (Kontakt bitte per E-mail an: kontakt@freundstattfremd.de)

Weitere hilfreiche Fragen und Antworten zum Thema Flüchtlingshilfe finden Sie auf infranken.de: http://www.infranken.de/regional/bamberg/Asyl-in-Franken-Wie-Sie-Fluechtlingen-helfen-koennen;art212,1208326

25. Warum arbeiten Asylsuchende nicht und verdienen sich so ihren Lebensunterhalt selbst?

Asylsuchende dürfen frühestens nach drei Monaten arbeiten wenn der Arbeitgeber keine anderen Beschäftigten aus Deutschland, der EU oder unter den anerkannten Flüchtlingen und Asylberechtigten für die Stelle findet. Erst nach 15 Monaten dürfen Asylbewerber uneingeschränkt arbeiten. Diese Regelung ist nicht nur bürokratisch und schränkt Arbeitgeber in ihrer Entscheidungsfreiheit ein. Sie wirkt sich auch wie ein 15-monatiges Arbeitsverbot aus. (Quelle: tagesschau.de / Diakonie Deutschland)

26. Nehmen Asylsuchende Deutschen die Arbeitsplätze weg?

Angesichts des demographischen Wandels und des Fachkräftemangels braucht Deutschland Zuwanderung, damit die Wirtschaft Arbeitsplätze besetzen kann. Viele Asylsuchende haben gute Qualifikationen. (Quelle: Diakonie Deutschland)

HILFSMITTEL

Allgemeine wichtige Informationen für freiwillige Helfer in ganz Deutschland:
https://www.test.de/Hilfe-fuer-Fluechtlinge-Den-Heimatlosen-helfen-aber-wie-4909165-4909170/

Ein Handbuch für freie und ehrenamtliche Helfer, mit hauptsächlichem Bezug auf Baden-Württemberg, aber auch mit sehr nützlichen allgemeinen Hinweisen gibt es hier:
http://www.fluechtlingshilfe-bw.de/praxistipps/handbuch/

Übersetzertools (Apps, Dokumente, etc.):
iPhone und Android-App: http://www.refuchat.com/
Online: http://de.langenscheidt.com/deutsch-arabisch/
Zum Ausdrucken: http://www.refugeephrasebook.de/

LINKS FÜR FLÜCHTLINGE

Da Flüchtlinge selber wahrscheinlich seltener auf diese Seite kommen, sind diese Links dazu gedacht, dass man sie bei Bedarf an Flüchtlinge weitergibt. Sie enthalten Erklärungen zumindest in Englisch, manche Seiten versuchen sogar, alle relevanten Flüchtlingssprachen abzudecken.

 

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