„Ich kümmere mich um die Buchhaltung“, erzählt Janine, „also Bestellungen, Belege, Steuererklärungen.“ Aber sie sei auch für Mitgliedsanträge und die Pflege der Google Groups zuständig. Ihre Vorgängerin Claudia arbeitet sie noch ein in diese unterschätzten und wichtigen Aufgaben. Janine ist eine von sieben Hauptamtlichen, die Freund statt fremd beschäftigt, sie kam durch ihr Studium nach Bamberg und zur Integrationsarbeit.
Sie studiert Erwachsenenbildung im Master an der Uni Bamberg. „Der Studiengang ist nicht-konsekutiv, ich brauchte also keine Pädagogik-Vorkenntnisse, um hier zu studieren.“ Die 28-jährige Soziologin ist für ihren Master nach Bamberg gekommen, und fühlt sich in der Stadt sehr wohl. „Meine Professorin hat mich auf den Verein aufmerksam gemacht, als ich eine Praktikumsstelle suchte. Mich interessiert schwerpunktmäßig sozial-kulturelle Erwachsenenbildung, und da ist Freund statt fremd einfach spitze.“
Und so leistete sie ihr Praktikum von 240 Stunden in drei Monaten im Jubiläumsjahr: 2025 feierte Freund statt fremd sein 10-jähriges Bestehen und Janine hatte neben den regulären Angeboten wie zum Beispiel dem Sprachcafé oder Frauenveranstaltungen alle Hände voll zu tun mit den Jubiläumsveranstaltungen. Sie hat es von Anfang an als etwas Besonderes empfunden, so vielen verschiedenen Kulturen zu begegnen. „Es ist unglaublich, was für individuelle Geschichten man hier erfahren kann. Die Menschen teilen ihre Erlebnisse, und man lernt unglaublich viel voneinander“. Anfangs war das Gefühl, „aus der Privilegiertenbubble hinausgetreten zu werden“, sehr stark. Heute betrachtet sie diese Erfahrung als großen Gewinn.
Bei Freund statt fremd findet sie viel konkreten Bezug zu ihrem Studium: „Alles ist hier Bildung“, erklärt sie. Gerade in informellen Kontexten lerne man so viel. „Zum Beispiel beim Marmelade einkochen. Jeder lernt von jedem, man teilt Geschichten und erfährt alles über Marmelade.“ Das Lernen in den Kontexten der Integrationsarbeit sei außerdem teilnehmerorientiert. „Man macht das, was die Personen brauchen.“ Das unterscheidet die Integrationsarbeit ganz stark von formellen Bildungs- und Ausbildungskontexten.
Im September gibt Janine ihre Masterarbeit ab. Auf die Frage, wie es nach dem Studium weitergeht, hat sie noch keine konkrete Antwort, aber bei Freund statt fremd würde sie gerne bleiben, denn menschlich und inhaltlich fühlt sie sich hier wohl. „Vielleicht ergibt sich hier ja noch etwas.“ Das möchte man ihr wünschen.
Text und Titelbild: Monica Fröhlich
