Zaubertricks, Rollstuhl-Parcours, Musik, gutes Essen und irgendwann sogar Tanzen im Regen: Beim Nachbarschaftsfest am 20. September 2026 war rund um den Volkspark einiges los. Gemeinsam mit zahlreichen Initiativen, Vereinen und Organisationen aus Bamberg wurde gefeiert, ausprobiert, gegessen und vor allem: miteinander geredet.
Eröffnet wurde das Fest von Bürgermeisterin Eva Jutzler und dann ging es auch schon los. An fast jeder Ecke gab es etwas zu entdecken. Kinder flitzten zwischen den verschiedenen Ständen hin und her, es wurde gelacht, gebastelt, jongliert und natürlich auch jede Menge gegessen.
Die Perspektive wechseln
Mitten im Geschehen hatte Gool Kids einen Rollstuhl-Parcours aufgebaut. Hier konnten Menschen, die selbst keinen Rollstuhl nutzen, ausprobieren, wie es sich anfühlt, alltägliche Hindernisse plötzlich aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben. Dabei wurde schnell deutlich, dass schon vermeintlich kleine Unebenheiten zur Herausforderung werden können.
„Man ändert einfach mal die Perspektive. Ein Kind kam anfangs zu mir und meinte: Warum sollte ich das überhaupt tun? Ist doch klar, was passiert, dann sitze ich halt ein bisschen rum. Als es dann aber selbst im Rollstuhl saß, merkte es schnell, dass doch alles ganz schön anders ist und es gar nicht so leicht ist, über eine zehn Zentimeter hohe Platte zu rollen.“
Manchmal braucht es eben nur wenige Minuten, um etwas, das im Alltag kaum auffällt, plötzlich mit anderen Augen zu sehen.
Menschenrechte, Flucht und persönliche Einblicke
Gleich dahinter leuchtete das knallgelbe Zelt von Amnesty International gegen den zunehmend grauen Himmel. Dort konnten Besucher:innen bei einem kleinen Quiz ihr Wissen rund um Flucht, Schutz und Menschenrechte testen. Was genau bedeutet es eigentlich, ein Flüchtling zu sein? Warum verlassen Menschen ihre Heimat? Und wie gut kennen wir uns mit der Genfer Flüchtlingskonvention aus?
Außerdem informierte die Bamberger Amnesty-Gruppe über Ruth Eleonora López, eine Anwältin und Menschenrechtsverteidigerin aus El Salvador. Mit der Aktion „Dein Brief kann Leben retten!“ machte Amnesty auf ihren Fall aufmerksam und zeigte gleichzeitig, wie jeder selbst aktiv werden kann.
Direkt daneben gab ein Bewohner des ANKER-Zentrums mit Bildern ganz persönliche Einblicke in sein Leben dort. Gleichzeitig stellte er auch die Arbeit von Freund statt fremd vor und zeigte, wie Begegnung und Unterstützung im Alltag aussehen können. Ein Beispiel dafür ist das Café Willkommen, in dem sich Menschen begegnen, austauschen und gemeinsam Deutsch lernen. Dabei muss Sprachlernen nicht immer aus Arbeitsblättern bestehen: Mit Spielen wie Kahoot wird neues Wissen gemeinsam und spielerisch ausprobiert.
Direkt am Amnesty-Stand sorgte außerdem ein glitzernd rot gekleideter Zauberer für staunende Gesichter: Zauberer Klausini, der ausschließlich für Amnesty International auftritt, brachte mit Tüchern, Ringen und Karten nicht nur Kinder zum Staunen, sondern verriet sogar den ein oder anderen Trick.
Jonglieren, Löten und Henna-Tattoos
Auch beim Zirkus Giovanni war Mitmachen ausdrücklich erwünscht. Hier konnten Kinder unter anderem das Jonglieren ausprobieren und sich mit unterschiedlichen Zirkusmaterialien austoben.
Wer lieber tüftelte, konnte bei NEO Bamberg selbst einen kleinen LED-Kreisel löten, der beim Drehen zu leuchten beginnt. Beim Quartiersbüro warteten Schablonen darauf, bunt bemalt zu werden, an anderer Stelle entstanden Henna-Tattoos. Die ISO Inititative war ebenfalls vertreten und verschenkte Spielzeug an Kinder. – Langeweile gab es an diesem Nachmittag absolut keine.
Zeit zum Essen, Reden und Kennenlernen
Zwischen all den Aktionen gab es aber auch genügend Raum, um einfach einmal zusammenzusitzen. In Gesprächsrunden, an den Ständen oder gemeinsam beim Essen entstanden immer wieder kleine Begegnungen.
Denn genau darum ging es beim Nachbarschaftsfest schließlich auch: Menschen zusammenzubringen, die vielleicht Tür an Tür leben, sich im Alltag aber trotzdem noch nie begegnet sind.
Für das leibliche Wohl war ebenfalls gesorgt. Unter anderem unterstützte der Bamberger Döner das Fest mit Essen und später wartete sogar noch ofenfrische Pizza auf die Besucher:innen. Alles übrgens kostenlos.
Tanz durch den Regen!
Je länger der Nachmittag dauerte, desto grauer wurde der Himmel. Und irgendwann kam der Regen.
Die Stimmung ließ sich aber davon erstaunlich wenig beeindrucken.
Statt das Fest langsam ausklingen zu lassen, wurde einfach weitergetanzt. Zu türkischer Musik wurde mitgesungen und gemeinsam im Regen gefeiert. Auf Wunsch erklang schließlich auch noch „Bella Ciao“.
Und vielleicht war der Regen am Ende sogar ganz praktisch, denn nach so viel Tanzen tat ein bisschen Abkühlung ziemlich gut.
So ging ein Nachbarschaftsfest zu Ende, bei dem man zaubern, jonglieren, löten, diskutieren, die Perspektive wechseln, neue Menschen kennenlernen und im Regen tanzen konnte.
Text und Bilder: Katja Kunz
