Gefühlt ist es eine der beliebtesten, wenn nicht die beliebteste Veranstaltung im Freund-statt-fremd-Terminkalender: das Interkulinarische Kochen. Unter der Leitung von Mohammad Fuad traf sich in der vergangenen Woche eine internationale Küchencrew in der Blauen Frieda. Insgesamt 11 Hobbyköchinnen und -köche aus Afghanistan, Iran, Syrien, der Türkei und Deutschland bereiteten dieses Mal ein Gericht aus der arabischen Küche zu: syrisches Hühnchen.
Mohammad Fuad laute sein Vorname, korrigiert mich der heutige Chef in der Freund-statt-fremd-Küche. „Der Nachname kommt dann noch dazu“, ergänzt der 29-jährige Syrer. Vorname reicht, erwidere ich. Und schon ist er wieder weg.
„In feine Scheiben, bitte“
Mohammad Fuad hat alle Hände voll zu tun. Während alle anderen sich schon um den Küchenblock versammelt haben und eifrig riesige Mengen Tomaten, Zucchini, Broccoli, Auberginen und Gurken schnippeln – das Essen soll ja später auch für 12 Personen reichen – muss ich mir meine Aufgabe noch suchen. Aha, Kartoffeln schneiden. Klar, ich mach’s erstmal falsch. Mohammad Fuad zeigt mir, wie es geht. Präzision ist gefragt. „In feine Scheiben, bitte“, denn die Kartoffeln würden dann in Öl frittiert, um nachher die Hühnerbeine fein und kross im Ofen zu betten. Das hört sich schon mal sehr lecker an, denke ich mir, und mache mich an die Arbeit.
Kartoffeln schälen, schneiden, ins Gespräch kommen
Neben mir steht Himat. Bei der Zubereitung des syrischen Hühnchengerichts übernimmt er das Kartoffelschälen, während ich die Kartoffeln nun, wie von Mohammad Fuad gewünscht, mit höchster Konzentration in feine Scheiben schneide. Dabei kommen wir, Himat und ich, ins Gespräch. Sein Deutsch sei noch sehr ausbaufähig, sagt er sinngemäß. Und trotzdem finden wir einen Weg und kriegen das mit der Verständigung sehr gut hin. Ob er Englisch spricht? Ja, etwas. Himat bittet aber darum, Deutsch zu sprechen. Sein Ziel: Er will so schnell wie möglich seinen B1-Kurs absolvieren. Der 17-jährige ist erst seit ungefähr 50 Tagen in Deutschland bzw. in Bamberg. Noch lebt er mit seiner gesamten Familie im Ankerzentrum, hat aber schon klare Vorstellungen von seiner Zukunft. „Möglichst schnell in die Ausbildung kommen und Arbeit finden.“
Shoaib: Lord of the pots
Hinter uns am Herd: Himats Kumpel Shoaib. Ein mächtiger Kerl, locker einen Kopf größer als Himat, dafür aber ein Jahr jünger. Wie ein Profi jongliert der 16-jährige insgesamt vier dampfende Töpfe, in denen jede Menge Gemüsesauce mit Hackfleisch sowie eine vegetarische Variante vor sich hin köcheln. Außerdem hat er den Ofen im Blick, wo die Hühnerbeine auf dem Kartoffelbett brutzeln. Der Chef flitzt immer wieder mal zum Kontrollieren vorbei. Aber alles ist gut. Mohammad Fuad weiß, wovon er spricht. Er absolviert gerade eine Ausbildung zum Koch. Im HENRII, Bambergs erstem Haus am Platz, wenn es um Fine Dining geht.
Das steht uns auch heute Abend noch bevor, freue ich mich. Es duftet herrlich. Bei all den guten Zutaten läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen. Ich stelle mir schon vor, wie ich die leckere Gemüsesauce mit Hackfleisch auf einem Fladenbrot platziere, sie mit einer Schicht frischem Gurken-Joghurt, den Meryem zubereitet hat, bedecke und diese Leckerei zu einem Dürum zusammenrolle, um dann genüsslich hineinzubeißen: ein Gedicht.
Lächeln im Gesicht
Dann ist es soweit: Küchenchef Mohammad Fuad holt die Hühnerbeine aus dem Ofen und serviert Sauce und Reis. Es kann endlich losgehen. Und plötzlich ist es eher still am Tisch. Erst als alle satt und zufrieden sind, sagt Rüveyda: „Gutes Essen zu genießen, ist wie verliebt sein.“ Aber wir sind noch nicht am Ende. Zum Abschluss gibt es noch Chai und, wie sollte es anders sein, Baklava, das feine orientalische Süßgebäck, das allen nochmals ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Das nächste Interkulinarische Kochen findet am 5. Juni 2026 statt. Anmeldung per E-Mail an kontakt@freundstattfremd.de.
Text und Fotos: Enno-Jochen Zerbes



