Was ist das Ankerzentrum?

Die seit Juli 2016 bestehende Einrichtung für Oberfranken (vorher AEO) in Bamberg ist ein Flüchtlingslager mit 3.400 Plätzen, von denen zur Zeit leicht schwankend circa 1.400 belegt sind. Sie liegt auf dem ehemaligen US-Kasernengelände in Bamberg-Ost und wird von der Regierung Oberfranken im Auftrag der bayerischen Staatsregierung betrieben.

Nunmehr läuft die Einrichtung als Ankerzentrum dreigleisig mit dem erklärten Ziel einer schnelleren und effizienteren Abwicklung der Asylverfahren: Neben der Erstaufnahme zur ersten Registrierung von Flüchtlingen und partiellen Weiterleitung an andere Orte gibt es das Ankunftszentrum, in dem alle Schritte eines Asylverfahrens durch Anwesenheit aller beteiligten Behörden vor Ort durchlaufen werden. Die alte ARE II besteht als Abschiebezentrum für sog. sichere Herkunftsländer und Dublin-Fälle weiter.

Dementsprechend ist die Verweildauer der Bewohner höchst unterschiedlich, je nach ihrer Einstufung: Während einige Schutzsuchende nur wenige Tage dort bleiben, wohnen andere bis zur asylrechtlichen Entscheidung und sodann bis zum Auszug oder der Abschiebung – zuweilen bis zu länger als einem Jahr – im Ankerzentrum.

Ein nicht unwesentlicher Teil der Flüchtlinge fällt auch unter die Dublin-III-Regelung, welche vorschreibt, dass sie ihren Asylantrag nur in dem Land stellen dürfen, das sie als erstes betreten haben (in der Regel durch Feststellung der Identität und Erfassung der Fingerabdrücke). Diese Menschen warten oft monatelang verunsichert auf eine Entscheidung bezüglich ihrer Ausreise (zum Beispiel nach Italien).

Massenunterkünfte wie das Ankerzentrum in Bamberg werden aktuell auf Bundesebene als modellhafte Einrichtungen für eine zukünftige Durchführung der Asylverfahren diskutiert. Freund statt fremd steht ihnen wegen ihrer Struktur und Größe sehr kritisch gegenüber, denn solche Massenunterkünfte …

  • verstärken Ängste und Vorurteile und verringern die Akzeptanz der Flüchtlinge in der Bevölkerung
  • erfordern enorme Personalkosten, zum Beispiel für Sicherheitsdienste und Verpflegung
  • verhindern den Zugang zu Arbeit
  • vergeuden Zeit und Kraft der Flüchtlinge und erhöhen die Gefahr der Kriminalisierung (durch Nichtstun und Warten, das von Unsicherheit und Angst geprägt ist)
  • vergeuden ebenso Zeit und Kraft derjenigen Flüchtlinge, die bleiben dürfen, und verhindern deren Integration
  • verstärken das Konfliktpotenzial unter den Bewohnern durch die beengte Unterbringung für in der Regel mehrere Monate
  • verhindern weitgehend den Zugang zu anwaltlicher Rechtsberatung, die zumindest eine lokale Vernetzung und zudem finanzielle Mittel voraussetzt
  • nehmen den Menschen die Selbstverantwortung und -gestaltung für ihr Leben (Lebensrhythmus, eigenes Kochen und Wirtschaften, ein Minimum an Privatsphäre u. a. m.)

Fazit:
Massenunterkünfte beschneiden grundlegende bürgerliche Rechte. In diesem Sinne sind sie menschen-unwürdig und politisch und wirtschaftlich unvernünftig verglichen mit dezentralen Gemeinschaftsunterkünften. Massenunterkünfte bedeuten Segregation statt Integration.

Was wir tun?

Wir möchten den Flüchtlingen im „Café Willkommen“ einen kleinen Orientierungspunkt im neuen Leben geben: mit einem warmen Tee oder Kaffee und der Möglichkeit zu Gesprächen Dafür brauchen wir auch Ihre Hilfe! Zum Beispiel können Sie mit uns einmal in der Woche:

  • im Café Tee und Kaffee ausschenken
  • zu Spielen oder Handarbeiten anleiten
  • mit den Flüchtlingen reden, ggf. mit Händen und Füßen
  • ein offenes Ohr haben für Fragen und Probleme
  • … einfach nur da sein.

Wir freuen uns auf neue Mithelfer*innen!

Kontakt: aufnahmeeinrichtung@freundstattfremd.de

Spielzimmer

Jule Dressler/nordbayern.de

Für die Kinder, die im Ankerzentrum untergebracht sind, hat Freund statt fremd ein Spielzimmer eingerichtet, da in den beengten Wohnungen kaum Platz zum Spielen ist. Auf dem Gelände des Ankerzentrums ist uns eine Wohnung zur Verfügung gestellt worden, die mit Mobiliar und gespendetem Spielzeug eingerichtet wurde. Die Wohnung ist zwei Stunden zumeist täglich geöffnet und bietet den Kindern Ablenkung von ihrem tristen Alltag: Hier können sie mit gespendetem Lego, Barbie und Co. spielen, malen oder einfach nur herumtollen.

Wie können Sie sich einbringen?

Das Spielzimmer: Freund statt fremd möchte häufigere und längere Öffnungszeiten anbieten.
Das Spielzimmer: Freund statt fremd möchte häufigere und längere Öffnungszeiten anbieten.

Das Spielzimmer kann nur geöffnet werden, wenn genug Aufsicht vor Ort ist – dabei können wir weitere Unterstützung dringend gebrauchen! Die Kinder freuen sich zudem über Spielzeugspenden sowie über Bastelmaterialien.

Kontakt: spielzimmer@freundstattfremd.de